Ratgeber: Unterbewertete Aktien finden – Perlen zum Spottpreis

Jan 17, 2019 | Höllenpresse, teuflische Börsengedanken | 0 Kommentare

Liebe Finanzmenschen,

heute erkläre ich euch, wie ihr unterbewertete Aktien erkennen könnt. Warren Buffett ist mit solchen Wertpapieren reich geworden! Da Börse ein trockenes Thema ist, versüße ich dir meine Anleitung mit einer biblischen Metapher.

Schau dir diesen Beitrag als Video an:

Vor langer Zeit standen sich Israelis und Philister gegenüber. Der Philister-Riese Goliath galt als unbesiegbar, da er fast 3 Meter groß war. Doch es fand sich ein Freiwilliger: David, ein kleiner Junge, wollte sein Glück versuchen. Wagemutig trat er Goliath entgegen, der seinen Augen kaum trauen konnte, ihm stand nämlich ein Knabe gegenüber.

Der Kampf fing an. Was Goliath nicht wusste: David hatte vorher fünf Steine aus dem Bach gesammelt. Er nahm einen Stein und steckte ihn in seine Schleuder. Bereits beim ersten Versuch traf er Goliaths Kopf, der sofort tot zu Boden sank. Die Philister sahen, dass ihr bester Soldat verstorben war und ergriffen die Flucht.

David als unterbewertete Aktie

Goliath erwartete einen strammen Krieger. Er musste aber gegen einen schmächtigen Jungen kämpfen. Deshalb nahm er seinen Gegner wohl kaum ernst. An der Börse kann dieses Verhalten bis hin zur Insolvenz führen. Schätzt das Management den Markt falsch ein, zieht die Konkurrenz in Windeseile vorbei.

Im Jahr 2000 galt Nokia als mächtiger Marktführer. Apple war eher mit dem kleinen David zu vergleichen. 2007 wandte sich mit dem Release des iPhones das Blatt schlagartig. Die alten Handys von Nokia waren nicht mehr angesagt. Steve Jobs hatte den Finnen mit seinem innovativen Smartphone den Todesstoß versetzt.

Laut dem ehemaligen Nokia Chefdesigner Frank Nuovo wurde Apple unterschätzt. Dieser Fehler ist auch Goliath gegen David passiert.

 

Wie kommt es zu einer Unterbewertung?

Ein Kunstexperte besucht einen Flohmarkt. Auf der Suche nach Schätzen entdeckt er ein sündhaft teures Gemälde. Unter Liebhabern werden die Bilder für 2.000 Euro gehandelt, die alte Oma verlangt aber nur 250 Euro für das Bild.

Natürlich schlägt der Kunstexperte sofort zu diesem Preis zu. Dagegen hat die Verkäuferin das finanzielle Potenzial nicht erkannt. So kommt auch eine Unterbewertung an der Börse zustande: Die breite Anlegermasse beachtet die Aktie (noch) nicht.

Das kann mehrere Gründe haben:

  • kein Börsenbrief spricht über das Unternehmen
  • die Aktie stammt aus einer weniger »sexy« Branche
  • in den Medien ist die Firma höchstens eine Randnotiz wert
  • kein Analyst wirbt offensiv für die Aktie

Als Anleger musst du wie der Kunstexperte handeln. Verhältst du dich wie die alte Oma, lässt du dir Chancen entgehen.

Die Größe eines Unternehmens spielt keine Rolle!

Goliath machte sich über den schmächtigen David lustig. Dabei beachtete er nicht, was im kleinen Burschen schlummerte. Anleger machen den gleichen Fehler an der Börse. Sie schauen auf den reinen Aktienpreis und leiten darauf falsche Strategien ab.

Der Aktienpreis hat überhaupt keine Aussagekraft!

unterbewertete Aktien finden

Eine Amazon kostet über 1.400 Euro, während die Deutsche Bank ungefähr 7 Euro kostet. Einige Anleger leiten aus dem niedrigen Preis ein höheres Kurspotenzial ab. Das ist ein grausamer Fehler! Ob eine Aktie 1.000 oder 10 Euro kostet, macht keinen Unterschied. Es kommt nur auf das Kurspotenzial an.

Zudem solltest du dich nicht von der Firmengröße blenden lassen. Auch ehemalige Marktführer können tief fallen. General Motors war einst der größte Autobauer der Welt. 2009 erfolgte die Insolvenz.

Du darfst dich nicht auf Analysten verlassen!

Hier seht ihr, was die Analysten von JP Morgan zu General Motors empfohlen haben.

Klar, natürlich lagen sie komplett falsch. Daher würde ich unterbewertete Aktien lieber selber suchen.

 

So findest du unterbewertete Aktien

Warren Buffett

»Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür.«

Klingt sehr schlau, was Buffett zu sagen hat. Du musst seine Aussage langfristig sehen. Es können mehrere Jahre vergehen, bis die 50 Cent auf einen Dollar angewachsen sind. Generell solltest du bei unterbewerteten Aktien langfristig denken. Der Markt braucht einige Jahre, um das vollständige Potenzial zu erkennen.

David hat fünf Steine für den Kampf gegen Goliath gesammelt. Ich möchte dir fünf Steine in Form von fundamentalen Kriterien anvertrauen!

 

1. KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erlaubt eine schnelle Einschätzung. Hierfür suchst du die anderen Unternehmen aus der Branche heraus. Besonders die günstig bewerteten Unternehmen sind interessant.

Autoaktien KGV

Ganz wichtig: Du solltest nur das KGV von Firmen aus derselben Branche miteinander vergleichen!

Generell gelten Aktien mit einem KGV unter 15 als unterbewertet. Allerdings hat das wenig Aussagekraft, wenn sich die gesamte Branche in einer schweren Krise befindet.

 

2. Dividende

Die Dividende erlaubt wertvolle Rückschlüsse.

Ich arbeite folgende Punkte ab:

  • 1) Das Unternehmen muss seit mindestens fünf Jahren eine Dividende zahlen.
  • 2) In diesem Zeitraum liegt das jährliche Dividendenwachstum bei über 10 Prozent. Das ist ein positives Zeichen, dass das Management an sich glaubt.
  • 3) Außerdem achte ich auf die Ausschüttungsquote. Die Quote gibt an, wie viel Prozent des Gewinns an die Aktionäre ausbezahlt wird. Einen Wert von unter 30 % würde ich als niedrig einstufen.

 

3. Eigenkapital

Das Eigenkapital spielt eine wichtige Rolle. Hier achte ich auf zwei Kennziffern. Zuerst sehe ich mir die Eigenkapitalquote an. Das ist der Anteil vom Eigenkapital am Gesamtkapital.

Eigenkapital für unterbewertete Aktien

Man sagt: Je mehr Eigenkapital das Unternehmen besitzt, desto unabhängiger ist es von Fremdkapital. Möchte die Firma ein neues Projekt vorantreiben, kann sie sich einfach am Eigenkapital bedienen.

Die Eigenkapitalquote sollte bei 15 % oder höher liegen. In der Finanzbranche und bei Versicherungen ist auch eine Quote von unter 10 % in Ordnung.

Zudem würde ich mir die Eigenkapitalrendite nach Steuern ansehen. Diese Kennziffer zeigt, wie gut eine Firma mit dem Eigenkapital wirtschaftet. Eine Eigenkapitalrendite von 30 % besagt, dass sich das Eigenkapital von 100.000 Euro zu 130.000 Euro entwickelt hat. Der Gewinn liegt somit bei 30.000 Euro. Ich bevorzuge Unternehmen mit einer Eigenkapitalrendite von mindestens 20 Prozent.

 

4. EBIT-Marge

Die EBIT-Marge zeigt den Gewinn vor Steuern und Zinsen. Ich sehe Konzerne mit einer Ertragskraft von mindestens 15 % als krisensicher an. So besitzt die Marge in Krisenzeiten einen gewissen Spielraum. Erhöhen sich die Ausgaben wie Herstellungs- oder Vertriebskosten, sinkt die EBIT-Marge.

 

5. Zukunftsfantasie

Die Fantasie eines Unternehmens ist für mich die wichtigste Kennziffer. Leider ist dieser Wert am schwersten zu analysieren. Du musst nämlich auf deinen Verstand setzen, so wie David es getan hat. Er hat seine Gewinnchancen wegen seiner Steinschleuder hoch eingeschätzt. Bewaffnet mit einem Schwert wäre er nicht gegen Goliath angetreten.

Analysekriterien für Aktien

Wie ich mit einem Löffel, hätte er überhaupt keine Chance gehabt.

Analysekriterien:

  • Burggraben: die Firma besitzt einen entscheidenden Vorteil zur Konkurrenz, das kann ein starker Markenname wie Coca-Cola sein
  • Marktlage: schlechte Branchenstimmung färbt sich häufig auf alle Unternehmen ab, siehe Autobauer wie Daimler und die Angst vor Elektrofahrzeugen
  • Management: die Führungsspitze muss positiv gestimmt sein und visionär denken, bei negativen Prognosen würde ich nicht einsteigen

 

Fazit: Agiere clever wie David

Mit dem Schwert hätte David gegen Goliath verloren. Stattdessen benutzte er seinen Verstand, um gegen den Riesen zu bestehen. Das Ergebnis: Er besiegte Goliath mit fünf Steinen und einer Schleuder. In diesem Artikel habe ich dir fünf fundamentale Kriterien vorgestellt. Das sind deine fünf Steine. Nun musst du dieses Wissen nutzen, um unterbewertete Aktien zu finden.

deine Aktientipps

Bonus:
Poste eine Aktie in die Kommentarfunktion, die ich analysieren soll.

Ich wende die fünf vorgestellten Kriterien an. Bei 50 Kommentaren analysiere ich die drei Aktien mit den meisten Stimmen!