Raus aus dem Hamsterrad – darum werde ich NICHT arbeiten

Apr 15, 2019 | Höllenpresse, teuflische Börsengedanken | 0 Kommentare

Ich sah in die Gesichter der Menschen, die jeden Morgen an der Bushalte auf dem Weg zur Arbeit sind. Das sind keine glücklichen Gesichter und ich fragte mich: Möchte ich wirklich die nächsten 40 Jahre für jemand anderen arbeiten?

Und ich wusste: Nein.

Es muss auch andere Wege geben, um Geld zu verdienen. Nicht nur den klassischen Angestelltenjob, wo du von 9 bis 18 Uhr arbeiten musst. Plus 1 Stunde Anfahrt mit dem Auto. Und ich habe einen Weg für mich gefunden, wo mir meine Arbeit Spaß macht. In diesem Beitrag erzähle ich dir meinen Weg.

Komm, begleite mich!

Schau dir diesen Beitrag als teuflisch spannendes Video an:

Beginnen wir am Anfang. Ich habe Lehramt studiert. Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Chemie und Physik? War ich eine Niete. Informatik vielleicht? Nein, ich erinnere mich nicht einmal an den Satz des Pythagoras.

Aber als Lehrer bisschen Schüler unterrichten. Das macht bestimmt Spaß und das Beamten-Gehalt passt schon. Also schrieb ich mich vor so 9 Jahren spontan an der Uni Tübingen ein. Meine Fächer waren übrigens Geschichte, Philosophie und Wirtschaft. Aber bereits damals bekam ich von allen Seiten zu hören.

»Du wirkst nicht wie ein typischer Lehrer.«

Das nagte an mir. Ich wollte etwas machen, was mir liegt und wo ich anderen Menschen Spaß vermitteln kann. Und ich begann zu grübeln, ob Lehramt wirklich das richtige ist.

Ich muss sagen, die Leute hatten nicht ganz unrecht. Manchmal fühlte ich mich, als würde mein Leben an mir vorbeiziehen. Im Praxissemester unterrichtete ich Schüler, überlegte mir, was sie wohl später machen würden. Ingenieur, Astronaut oder doch ganz klassisch Hartz 4. Und dann dachte ich über meine eigene Zukunft nach. Ich fühlte, dass irgendwas nicht passt.

Aber es gab eine laute Stimme in meinem Kopf, die mich motivierte weiterzumachen. Es war eine sehr hohe und aufdringliche Stimme, wo du nicht »nein« sagen kannst. Ich meine jetzt keine Geister oder Halluzinationen. Nein, sondern meine Ex-Freundin. Sie motivierte mich dazu, an diesem Studium festzuhalten. Weil sie sich später ein sicheres und stabiles Leben wünschte.

Ja, als Lehrer hätte ich ganz okay verdient. Ich hätte einen Baum pflanzen und einen Dackel kaufen können. Das sind übrigens meine Lieblingshunde. Ach ne, durfte ich auch nicht haben, weil meine Ex lieber einen großen Hund wollte. Aber dann ging die Beziehung in die Brüche und meine Gedanken wurden klarer. Meine Träume und Wünsche drängten sich mir auf. Ich hatte damals extrem viel Glück, dass an meiner Uni gerade ein neues Projekt gestartet war.

Finanzielle Bildung an Schulen ist ja total im Kommen. Du lernst an der Schule den Satz des Pythagoras, aber kein Wort über richtige Geldanlage. Und welches Thema ist später wichtiger? Wie dem auch sei, die Dieter von Holtzbrinck Stiftung startete vor so 4 Jahren das Projekt »Lehrkräfte erleben Wirtschaft«. Dabei nahm auch die Uni Tübingen teil, wo ich studierte. Wirtschaftsstudenten wie ich konnten 6 Wochen ein Unternehmenspraktikum machen. Für mich war das ein echtes Geschenk, denn ich konnte endlich echte Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln.

Also schwupps, bewarb ich mich und wurde bei Randstad gewonnen. Das ist eine Personalvermittlung für Zeitarbeiter.

An meinem ersten Tag stand ich ganz stolz auf. Zog mein Hemd und feine Lederschuhe an. Ich fühlte mich wie ein echter Erwachsener, als wäre ich endlich im Leben angekommen. Auf dem Weg zur Arbeit stand ich in Stuttgart 1 Stunde im Stau, aber ich bin extra 2 Stunden vorher losgefahren, also alles in Ordnung.

Als ich dort ankam, wurde ich begrüßt mit »Och hat Ihnen niemand gesagt, dass Sie eine Stunde später anfangen?«. Okay, kann passieren, also noch bisschen die Königsstraße entlangflanieren. Die morgendliche Ruhe genießen, bevor in paar Stunden die Läden voller Menschen sind. Das Büro befindet sich direkt in der Altstadt an der Fußgängerzone, also beste Lage. Ich hätte auch zu Bosch oder anderen teilnehmenden Firmen gehen können. Aber ich wollte das Innenstadt-Flair spüren, weil ich es einfach liebe.

Dann ging es endlich los. Ich wurde sehr freundlich empfangen, in das SAP-Tool eingeführt. Super, ich hatte Spaß an der Arbeit. Die Zeit verging wie im Flug. Abends war ich so gegen 19 Uhr wieder daheim. Ich stürzte mich glücklich ins Bett und schaute Serien. Und so ging es die erste Woche. Am Weekend erzählte ich Freunden von meinem Praktikum.

Dann ging in der zweiten Woche alles wieder von vorne los. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied: Die Fassade fing langsam zu bröckeln an. In der zweiten Woche begann die Anfahrt zu nerven. Ich liebe Autofahren, aber jeden Tag eine Stunde hin und wieder zurück… Und dann dieser nervige Stau in Stuttgart an der Weinsteige, wenn man die B27 von Tübingen kommt. Furchtbar. Auf der Arbeit selber waren alle freundlich zu mir. Die Atmosphäre war sehr nett, aber ich bekam trotzdem die Arbeitswelt zu spüren.

Einmal beobachtete ich aus den Augenwinkeln, wie eine Abteilungsleiterin zu einem untergebenen Angestellten ging. Ich hörte, dass sie ihm freundlich, aber bestimmt mitteilte, dass er mehr Umsatz machen müsste. Sonst könnte sie seinen Arbeitsplatz nicht garantieren. Alles lief sehr freundlich ab, doch du kennst das vielleicht von deiner Arbeit. Es gibt Menschen, die halten dir das sprichwörtliche Messer an den Hals und sagen, du solltest mehr Leistung abliefern.

Und dann gibt es Menschen, die dich in der Art eines Heckenschützen »freundlich« zu mehr Leistung auffordern. Du weißt, du wirst weggesnipt, wenn du dem Unternehmen zu wenig Umsatz machst.

Plötzlich verflog der Glanz des Angestelltenlebens.

  • Ich war extrem genervt von der Autofahrt.
  • Ich war genervt, weil ich für andere arbeiten musste.
  • Ich war genervt, täglich um 6 Uhr aufzustehen, um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen.
  • Und ich war besonders genervt, dass mein Leben stillstand.

Ich dachte, mit diesem Job würde ich endlich meine berufliche Zukunft beginnen. Aber von wegen, ich wusste, was ich nicht machen will – normal arbeiten.

Verstehe mich bitte nicht falsch, es gibt coole Angestellten-Jobs. Manchen Leuten macht gerade der geordnete Alltag Spaß. Die meisten Menschen arbeiten Vollzeit. Einige als Bäcker, die anderen als Ingenieure. Sie haben meist gemeinsam am Weekend frei und können sich gemeinsam treffen, Zeit verbringen. Für mich persönlich ist das aber nichts.

Genauso wenig wollte ich nach dem Praktikum Lehrer werden. Ich möchte die Zügel selber in der Hand halten, eigene Entscheidungen treffen und nicht von einem Arbeitgeber abhängig sein. Als Lehrer hätte ich immerhin bisschen Gestaltungsfreiraum gehabt. Ich hätte die Unterrichtsstunden frei zusammenbasteln können. Aber auch da bin ich an den Lehrplan gebunden. Und ganz ehrlich, die Kinder heutzutage werden frecher und frecher.

In den 6 Wochen Praktikum kam ich sonst zu nichts.

Nur arbeiten, fertig.

Am Wochenende bisschen mit Freunden weggehen. Aber für private Projekte oder sowas hatte ich keine Zeit. Mir fehlte einfach die Kraft dafür. Und ich wusste, das würde sich später nicht ändern. Wenn du erstmals im Berufs-Kreislauf drinsteckst, kommst du kaum raus. Ich habe noch heute die Gesichter meiner kurzfristigen Kollegen im Kopf. Einige hatten wirklich Spaß an ihrer Arbeit. Andere wirkten müde, eher wie Roboter, die ihren Alltag abspulen. Ich wäre nach wenigen Monaten extrem unglücklich, wäre ich in dieser Arbeitsschleife gefangen.

Aber das Leben hatte ein Bonbon für mich parat. Ich finanzierte mein Studium teils als Finanzjournalist. Daneben tradete ich, sofern es die Zeit zuließ. Da ich die Aktienmärkte seit 2000 beobachte, wurde ich immer öfters gebucht. Meine Auftraggeber wussten, ich war nur Student, aber ich hatte Krisen wie 9/11, den Irakkrieg oder die Finanzkrise live miterlebt. Also mit live meine ich, dass ich die Entwicklung an der Börse live verfolgt und gehandelt habe. Die meisten Anleger wissen nicht, wie sich eine Finanzkrise anfühlt. Sie sind nach 2009 eingestiegen und kennen nur steigende Kurse. Ich habe die Frust der Menschen nach der Dotcom-Blase in Foren erlebt und börsenpsychologisch sehr viel gelernt.

Durch die ganzen Texte witterte ich langsam Blut. Meine Auftraggeber zahlten mir gutes Geld für meine Finanztexte. Im Umkehrschluss heißt das, sie verdienen deutlich mehr, als sie mir zahlen. Deshalb wagte ich mich ins Internet. Ich startete mit einem Freund ein Projekt. Gemeinsam bauten wir eine kleine Finanzseite auf, die es nach einem halben Jahr auf über 100 Besucher pro Tag brachte. Doch wir wussten nicht, wie wir damit Geld machen sollen. Viele Besucher, schön und gut. Aber mehr als ein Hobby war das nicht. Aber ich witterte Blut und sah großes Potenzial darin. Es war ein Projekt, für das ich selber verantwortlich war.

Eine Sache fehlte aber: Einnahmen.

Logisch, wir verkauften nichts, sondern boten unseren Lesern gute Inhalte, aber nichts weiter. Wir verwarfen das Projekt schließlich, kostete zu viel Zeit neben dem Studium.

Dafür erhielt ich die nächsten Monate über immer mehr Aufträge. Und dann sagte mir ein Auftraggeber, er möchte mich langfristig für mehrere Jahre buchen. Ich war überglücklich, denn ich hatte mein Ziel teilweise erreicht. Ich war regional unabhängig und konnte wohnen, wo ich möchte. Deshalb habe ich mein Lehramtsstudium abgebrochen. Ich möchte kein Lehrer oder Bürohengst sein.

Ich wusste, so möchte ich nicht leben.

So kann ich nicht leben.

Das würde mich nicht glücklich machen. Nein, ich wusste, was ich wirklich möchte: Ich will mir etwas eigenes aufbauen. Etwas, wofür ich die volle Verantwortung übernehme. Ich gehe bewusst volles Risiko ein, entweder ich gewinne alles oder nichts. Einen Mittelweg gibt es für mich nicht und genau das macht mich glücklich.

Ich war nun nicht mehr an Tübingen gebunden, da ich nicht mehr studierte. Außerdem hatte ich erkannt, was mich wirklich glücklich macht. Ein Problem gab es aber noch: Ich fühlte mich gelangweilt in meinem studentischen Umfeld. Ich wollte mich persönlich weiterentwickeln, die Welt sehen. Durch meinen Job konnte ich wohnen, wo immer ich möchte. Und das nutzte ich aus. Ich habe alle Sachen aus meiner Wohnung verkauft. Dann schaute ich auf den Globus und überlegte mir, wo ich wohnen möchte.

Vielleicht Panama?

Da ist es schön und warm, aber war mir für den Anfang zu extrem.

Ich dachte mein ganzes Leben, ich bleibe im kleinen Dörfchen, wo ich aufgewachsen bin. Bad Überkingen heißt es. Aber dann zog ich nach Tübingen. Und jetzt ist meine Wahl auf Lettland gefallen, da meine Großeltern hier wohnen.

Ich bin kürzlich nach Riga gezogen, weil die Stadt meine Bedürfnisse erfüllt. Das Nightlife ist einfach nur Wow. Du kannst hier locker bis 8 Uhr morgens feiern oder auch jede Woche ein anderes Restaurant besuchen. Für Menschen, die gerne leben, ist es eine tolle Stadt.

Und wie sieht es bei dir aus:

Lebst du schon oder arbeitest du noch?