Daimler Aktie: mit Vollgas in die Krise? | Prognose 2019

Feb 7, 2019 | Aktienanalysen vom Teufel, Höllenpresse | 0 Kommentare

Hier Liebe Finanzmenschen,
Daimler-Chef Zetsche hat heute den Jahresbericht für 2018 vorgelegt. Ich habe mir die Zahlen für euch angesehen. Es sieht düster aus – oder nicht? In meiner Daimler-Aktienanalyse erfährst du, ob sich ein Einstieg in den Autobauer lohnt!

Schau dir diesen Artikel als teuflisch gutes Video an:

Heute hat Dieter Zetsche seinen letzten Jahresbericht präsentiert. Damit geht seine 13-jährige Amtszeit zu Ende. Er konnte Daimler wieder in die Erfolgsspur führen. Außerdem hat er neue Jobs geschaffen. Das hört sich nach eitel Sonnenschein an. Also entspannt zurücklehnen und Cocktails schlürfen?

Nein, denn die Zahlen enttäuschen.

Wie ist das Geschäftsjahr 2018 verlaufen?

Die Aktie hat auf die Zahlen verhalten reagiert, es geht um einige Prozentpunkte runter. Damit ist Daimler der Tagesverlierer im DAX. Allerdings stehen die Märkte generell ein bisschen unter Druck, also ist das eher eine leicht enttäuschte Reaktion. Absolut normal im aktuellen Marktumfeld und ich würde schon fast neutral sagen. 2-3 % rauf oder runter sind wirklich nichts für eine Aktie, das ist normale Bewegung.

Sehen wir uns nun das Geschäftsjahr 2018 im Detail an.
Daimler Umsätze und Verkäufe

Die Umsätze und Verkäufe sind gestiegen. Zwar nur leicht, aber immerhin! Das ist eine gute Leistung für die momentan komplizierte Auto-Branche. Ich sehe China als wichtigen Faktor. Der Handelsstreit mit den USA hat viele dort tätige Unternehmen belastet. Ein prominentes Beispiel ist Apple.

 

China BIP

 

Das BIP und damit die Konjunktur ist auf ein 28-jähriges Rekordtief gefallen. Daher ist ein höherer Umsatz als gut zu bewerten. In besseren Zeiten sollten die Umsätze und Verkäufe entsprechend stärker anziehen.

Also alles wunderbar im Daimler-Autoparadies?

Nicht ganz, wenn wir uns die einzelnen Geschäftszweige ansehen. Generell besitzt Daimler ein breit gestreutes Produktportfolio. Neben Autos werden Busse, Vans, Trucks und sogar Finanzdienstleistungen verkauft. Der Löwenanteil liegt jedoch auf den Mercedes-Benz Cars und den Daimler Trucks. Die Auto-Verkäufe sind um 18 Prozent gesunken. Parallel ist die Umsatzrendite auf 7,8 % eingebrochen.

Das deutet auf eine schlechtere Effizienz hin.

Daimler führt den Handelsstreit und den Auslieferungsstopp von Dieselmodellen als Gründe an. Deshalb möchte der Autokonzern Einsparungen vornehmen. Ein dreistelliger Millionenbetrag soll in die Konzernstruktur investiert werden. Daimler möchte Autos, Lkws und Mobilitätsdienstleistungen in einer Holding zusammenfassen. Das hört sich alles gut an, da der Handelskrieg irgendwann vorbei ist und der Auslieferungsstopp auch nur ein temporäres Ereignis darstellt.

Ein Wort noch zu den Sparten: Daimler Trucks konnte sich sehr positiv entwickeln und wird in den Medien entsprechend dafür gefeiert.

Was sind die negativen Punkte?

Wenn wir in Google nach Daimler suchen, erscheinen dramatische Schlagzeilen. Es wird von einem Gewinneinbruch gesprochen. Sehen wir uns die Fakten an.

Daimler EBIT

Das EBIT, also das Ergebnis vor Steuern und Zinsen, ist um knapp 25 % eingebrochen. Okay, ein Handelskrieg kann die Zahlen schon einmal belasten. Das kann passieren.

Wenn jemand für 10 Jahre oder länger investiert, sind Schwankungen völlig normal.

Das gilt auch für die Dividende.

Dividende Daimler

Erstmals seit 2009 wurde diese um 11 % gesenkt. Damit liegt sie aktuell bei stolzen 6,6 %. Ja, es ist ein bisschen weniger geworden, aber nach wie vor sehr viel. Bei dem starken Gewinnrückgang hätte die Kürzung größer ausfallen können. Für mich hört sich das ein bisschen so an, als möchte man die Aktionäre beruhigen und nicht zu stark verunsichern. Es werden übrigens keine Mitarbeiter zur Kostensenkung in Deutschland entlassen. Dies hat der Betriebsrat bis 2029 ausgehandelt. Allerdings können Leiharbeiter kurzfristig ihre Stelle zur Kostenoptimierung verlieren.

Generell ist die Auto-Industrie sehr kapitalintensiv. Es muss viel Geld investiert werden, um den Status Quo zu halten. Ansonsten fällt man hinter die Konkurrenz zurück. Das zeigt sich nun an den enormen Ausgaben zur E-Mobilität.

Ein weiterer Punkt: Seit 2009 haben sich die Märkte positiv entwickelt.

DAX Entwicklung

Der Absatz kannte nur eine Richtung und das ändert sich langsam. China schwächelt, wohl auch wegen politischer Probleme. Im Worst-Case gerät Daimler nun in einen längeren Negativ-Sog. Die Ergebnisse fallen immer ein bisschen schlechter aus.

Für 2019 hat Daimler bereits weniger gute Ergebnisse vorhergesagt.

Wie steht es um die Zukunft?

Ich habe mich gefragt, ob Daimler auch noch in 6,66 Jahren ein spannendes Unternehmen ist. Kurzfristig steht Daimler vor einem Umbruch. Dieses Jahr steigt der Autobauer verstärkt in die E-Mobilität ein. Das ist auch dringend notwendig, wenn wir uns die deutschen Zulassungszahlen für 2018 von E-Autos ansehen.

E-Autos Verkäufe

Daimler ist nur durch smart EQ in den Top 10 vertreten.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Zulassungszahlen sind vorwiegend wegen der Carsharing-Tochter Car2go so hoch. Zudem läuft die Kaufprämie für private Verbraucher zur Jahresmitte 2019 aus.
Das erste Mercedes-Benz Elektro-Auto soll dieses Jahr erscheinen. Es trägt den hübschen Namen EQC. Hier setzt Daimler endlich auf die Zukunft. Anscheinend soll die Nachfrage so hoch sein, dass diese sogar 2020 nicht bedient werden kann.

Klingt nett, aber daraus lässt sich wenig schließen. Wir kennen nämlich die exakte Anzahl der Anfragen nicht. Frech gesagt: Ich kann mit meinen Händen auch in 666 Jahren kein Auto bauen. Somit könnte ich nicht einmal eine Nachfrage von einem Fahrzeug stillen.

Daimler hat nur ganz grob gesagt, es würde Tausende Interessenten für EQC geben. Zum Vergleich: Tesla verkündete letztes Jahr um die 420.000 Reservierungen für sein Model 3.

Wie gut Daimler den Sprung vom Benziner zum E-Auto schafft, steht in den Sternen. Hier sehe ich Volkswagen als besser aufgestellt an. Für mich wirkt Daimler etwas verschlafen und geht das Thema sehr träge an. Es wird zwar viel Geld in die E-Mobilität und ins autonome Fahren investiert, was die Bilanz belastet. So testet Daimler fahrerlose Shuttles im kalifornischen San José. Ich persönlich halte das autonome Fahren momentan für überschätzt und weniger sexy. Jeder kleine Unfall eines solchen Autos wird medial sofort ausgeschlachtet.

Für mich sind E-Autos der momentan wichtigere – und vor allem greifbarere – Trend.

Hier hat sich Volkswagen nach der Dieselaffäre klar zum E-Auto positioniert. Im Daimler-Konzern sorgt eher smart für E-Träume. Smart möchte ab 2020 nur noch elektrisch sein. Die klarere Positionierung von VW zeigt sich meiner Meinung auch am Aktienkurs.

Daimler Volkswagen Aktien

Hier konnte Volkswagen die Daimler Aktie weit hinter sich lassen.

Was sagt uns der Chart?

Daimler Chartanalyse

Seit Januar 2018 liegt ein Abwärtstrend vor, wie es die gepunktete rote Linie zeigt. Bisher wird konstant ein neues Tief gebildet. Das vorherige Hoch der letzten Aufwärtsphase wird nicht übertroffen. Somit wäre es ein positives Zeichen, könnte das vorherige Hoch bei rund 55 Euro geknackt werden. Dank dem negativen Geschäftsbericht wurde der grüne Aufwärtstrend durchbrochen. Das könnte ein Zeichen für eine Abwärtsspirale sein.

Schauen wir uns noch kurz den langfristigen Chart an.

Daimler Chartanalyse 2

Der orangene Widerstand ist weit entfernt. Generell sieht die ganze Geschichte eher negativ aus. Aktuell spricht der Chart eine rote Sprache.

Fazit: Ab auf die Watchlist

Bevor ich zu meinem Fazit komme, fasse ich alle Argumente zusammen.

  • Zetsche geht, es beginnt eine neue Ära
  • verhaltener Ausblick für 2019
  • China und Auslieferungsstopp belasten Daimler
  • sinkende Gewinne in Hauptsparte Mercedes-Benz Cars sind ein weiteres Problem
  • starke LKW-Sparte kann überzeugen
  • Kosteneinsparungen geplant, um effizienter zu werden
  • noch immer hohe Dividende von ca. 6 %
  • VW treibt die E-Mobilität stärker voran, daher sollte man Volkswagen als Alternative in Betracht ziehen.
  • negatives Chartbild

Ich persönlich bevorzuge Volkswagen als Dividendenaktie. Zwar ist die Dividende um etwa 2 % niedriger, dafür ist der Kurs stabiler und die Firma scheint aus der Dieselaffäre gelernt zu haben. Bei Daimler sieht es eher so aus, als müsste der große Knall erst folgen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die E-Autos von Mercedes-Benz ankommen. Ich würde die Daimler-Aktie auf die Watchlist packen und beobachten.

Bevor der mittelfristige negative Trend nicht durchbrochen ist, würde ich nicht einsteigen. Wen es ganz stark in den Fingern juckt, sollte einen Sparplan bevorzugen.

Apropos Depot: Zahlst du über 5 Euro pro Trade, ist das zu viel. Suchst du einen Broker für Sparpläne, kann ich dir die comdirect bank empfehlen. Ich selber habe mein kostengünstiges Depot dort und bin dort seit 10 Jahren Kunde.

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