Bayer Aktie: Chance oder Geldgrab? | verprügelte Unternehmen (Monsanto)

Mrz 21, 2019 | Aktienanalysen vom Teufel, Höllenpresse, verprügelte Aktien | 2 Kommentare

Bayer-Aktionäre mussten in den letzten Monaten hart einstecken. Seit Mai 2018 hat der Kurs circa 40 % verloren. Allein gestern ging es wahnsinnige 10 % runter. Das ist verrückt, denn Bayer ist ein DAX-Wert und keine chinesische Zockeraktie. In diesem Beitrag erfährst du alle wichtigen Hintergründe und ob sich ein Einstieg in diese verprügelte Aktie lohnen könnte.

Schau dir diesen Beitrag als spannendes YouTube-Video an:

»Wenn sich nur der kleinste Verdacht bestätigt, dass Glyphosat krebserregend sei, wird Bayer eine große Schadensersatzsumme zahlen müssen. Vergleichbar mit den Zahlungen, die VW im Dieselstreit begleichen musste«, so die Meinung des Analysten Robert Halver.

Damals musste VW über 20 Milliarden Dollar für Dieselgate blechen. Droht Bayer ein ähnliches Fiasko?

Worum geht es eigentlich?

Wir haben einen juristischen Streit in den USA. Und dort kann sowas ganz schön teuer werden. Stella Liebeck verschüttete ihren Kaffee bei McDonald’s und erhielt daraufhin 4,5 Millionen Dollar zugesprochen. Und warum? Weil der Mitarbeiter sie nicht darauf hingewiesen hatte, dass Kaffee heiß ist.

Nun haben wir es aber mit einem deutlich tragischeren Fall zu tun. Zwei Parteien stehen sich gegenüber: Bayer-Tochter Monsanto und Kläger Edwin Hardeman. Er macht Monsanto für seine Lymphdrüsenkrebserkrankung verantwortlich.

Und Bayer hat den Prozessauftakt verloren. Der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup von Monsanto wurde in der ersten Runde als krebserregend eingestuft. So hat es die Jury am Bundesbezirksgericht in San Francisco entschieden. Das Urteil haben die sechs Geschworenen einstimmig gefällt. In der zweiten Runde geht es nun um die Frage, ob Monsanto die Risiken bewusst verschleierte und um die Höhe des Schadensersatzes.

Okay, dieser eine Prozess wird Bayer vielleicht einige Millionen kosten.

Bayer Aktie Analyse

Aber warum ist der Aktienkurs derart dramatisch abgestürzt? Rechnen wir alle Aktien zusammen, wurden durch den Kurssturz über 5 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Das Problem hat einen Namen: »Bellwether Case.« Dabei handelt es sich um einen Musterfall. Aus dem Urteil aus diesem Musterfall lässt sich grob einschätzen, wie hoch der Schaden für Bayer sein könnte. Denn Edwin Hardeman ist nicht der einzige Kläger. Insgesamt sind so um die 11.200 Klagen eingegangen.

Bayer hat sich auf die Prozesse eingestellt und 660 Millionen Euro für Anwaltskosten gehortet. Aber das Geld ist nur für Anwälte vorgesehen. Sagen wir, es werden mehrere Milliarden Euro an Schadensersatz fällig. Dann müsste Bayer das Geld irgendwie extra auftreiben.

Vor allem Konzernchef Werner Baumann steht nun in der Kritik. Er hatte den Monsanto-Kauf im Jahr 2016 massiv vorangetrieben. Für Monsanto wurden damals 66 Milliarden US-Dollar bezahlt, das sind heute so um die 57,9 Milliarden Euro. Und jetzt schau dir mal an, was alle Bayer-Aktien heute wert sind: 58,8 Milliarden Euro. Das zeigt, wie katastrophal das Management damals gehandelt hat. Bayer mit Monsanto ist heute so viel wert wie vor 2 Jahren Bayer allein. Am 26. April 2019 findet die Hauptversammlung statt.

Natürlich herrscht nun dicke Luft bei den Bayer-Aktionären. Und deshalb hat Christian Strenger die Aktionäre aufgefordert, den Vorstand nicht zu entlasten. Was bedeutet das? Durch die Entlastung wird die Geschäftsführung von Schadensersatzansprüche befreit. Und genau das möchte Christian Strenger verweigern. Er bezeichnet den Monsanto-Kauf als »schnellsten Wertvernichter der DAX-Geschichte«.

Und da gebe ich ihm recht, wenn wir uns den Kursverlauf ansehen. Das Management um Werner Baumann hat die Prozessrisiken klar unterschätzt. Da musst du dich fragen: Möchtest du in ein solches Unternehmen investieren? Ich sehe das Management als wichtigsten Erfolgsfaktor an. Und da hat Bayer klar versagt. Solange die gleichen Leute an der Spitze stehen, wird weiterhin dicke Luft herrschen. Jeder noch so kleine Fehler wird wohl von den Aktionären bestraft. Und die Medien sind da wie die Geier. Macht Baumann einen weiteren Fehler, wird das sofort als große Skandal-Schlagzeile gebracht. Sowas wie »Skandal-Manager verschätzt sich erneut«.

Aber schauen wir auf die Zahlen.

Vielleicht hat Werner Baumann im Verborgenen gute Arbeit geleistet.

Und die Zahlen sagen: nein!

Die Umsätze gehen nicht wirklich hoch, dafür ist die Verschuldung exorbitant gestiegen! Ein noch spießigeres und eindrucksvolleres Wort ist mir da gerade nicht eingefallen. Da ist sogar der Höllenfürst geschockt. Laut den Prognosen wird die Verschuldung das Unternehmen auch bis 2021 und darüber hinaus belasten. Die Schulden werden zwar langsam abgebaut, aber nur langsam.

Und was macht Bayer, wenn die Zinsen stark steigen sollten?

Genau, verzweifelt sein, das Management entlassen, vielleicht Insolvenz anmelden. Nein, das halte ich für übertrieben. Das größere Risiko liegt in den über 11.000 Klagen. Denn dieses Geld ist in den Schulden noch gar nicht enthalten. Wie auch, die ungefähre Höhe lässt sich erst nach der zweiten Prozessrunde im Fall Edwin Hardeman einschätzen.

Du siehst, momentan steckt sehr viel »vielleicht«, »eventuell«, »möglicherweise« in der Bayer Aktie. Das Unternehmen lässt sich nicht vernünftig beurteilen. Wir können nur von einem Best- und Worst-Case-Szenario aussehen. Aber wie die zweite Gerichtsrunde in den USA ausgeht, kann wirklich niemand sagen. Das ist pure Spekulation und in meinen Augen Zockerei. Daher kommt mir die Bayer Aktie nicht ins Depot!

Aber die Dividende!

Mach auf keinen Fall den Fehler und lass dich von der Dividende ködern.

Ja, 4,3 % sehen für einen DAX-Konzern sehr attraktiv aus. Und ein KGV von 9,9 herum wirkt auf viele Anleger attraktiv. Aber beide Werte können sich als Halluzination herausstellen. Muss Bayer wirklich mehrere Milliarden an Strafe bezahlen, wird die Dividende wahrscheinlich zusammengestrichen. Und das KGV sinkt dann noch weiter. Schau dir einmal Daimler oder andere Autobauer an. Daimler hat ein KGV so 6,5 herum. Steckt ein Unternehmen in einer Krise, hat der reine Wert mal gar nichts zu sagen, höchstens im Vergleich zu anderen Aktien aus derselben Branche.

Nochmals zur Dividende: Es gibt ein weiteres Problem.

Schau mal ins Jahr 2018:

Die Dividende konnte da nicht aus den Gewinnen bezahlt werden. In den nächsten Jahren soll das besser werden, aber wer weiß. Lass mal paar Klagen durchgehen und dann spricht niemand mehr über Gewinne. Im August 2018 gab es übrigens bereits ein Verfahren gegen Monsanto. Der Krebspatient Dewayne Johnson hatte geklagt und gewonnen. Zuerst wurden ihm 289 Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen, danach legten sich die Parteien auf 78 Millionen Dollar fest. Und das war nur eine einzige Klage. Gegen Bayer liegen nun 11.000 Klagen vor.

Der Aktienkurs ist logischerweise durch den Kursverfall ein echtes Armageddon.

Bayer Aktie Chartanalyse

So um die 55 Euro herum liegt eine extrem wichtige Widerstandszone. Dorthin kann Bayer noch locker fallen, sollte die Stimmung weiterhin negativ bleiben. Die negative rote Linie ist der momentane Abwärtstrend. Bis der nach oben durchbrochen wird, können mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Kurzfristig können sich natürlich Trading-Chancen ergeben, aber in diesem Video geht es um die langfristige Perspektive.

Deshalb würde ich jetzt nicht in Bayer einsteigen. Aber sagen wir, es würde nur zwei Aktien auf der Welt geben, Bayer und die Deutsche Bank. Dann würde ich wohl eher Bayer vorziehen, aber nicht jetzt sofort. Ich würde abwarten, bis sich alles beruhigt hat und der juristische Schaden besser kalkulierbar ist.

Wie stehst du zur Bayer Aktie?

Würdest du sie auf dem Niveau kaufen oder findest du das momentan zu riskant?

 

Rechtlicher Hinweis: Natürlich stellt dieser Beitrag keine Anlageberatung dar. Jegliche Inhalte dienen nur der Information und können auch komplett falsch sein. Der Artikel ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der besprochenen Wertpapiere!